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Stammzellspende und Knochenmarkspende: Was sind die Unterschiede?

Es ist deine große Stunde: Dein genetischer Zwilling braucht eine Spende von dir. Jetzt gibt es für die Spende zwei Möglichkeiten. Doch was ist überhaupt der Unterschied?
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24.02.2026

Wenn ein Mensch schwer an Blutkrebs erkrankt, braucht er in vielen Fällen eine Stammzelltherapie. Dafür wird durch eine Chemotherapie das Immunsystem zusammen mit den Krebszellen zerstört. Um anschließend ein neues Immunsystem aufzubauen, braucht es gesunde Stammzellen. Diese kann nur ein:e gesunde:r Spender:in geben. Die beiden großen Spendearten haben also eine Gemeinsamkeit: Sie zielen darauf ab, gesunde Stammzellen zu gewinnen. Ansonsten unterscheiden sie sich deutlich im Ablauf.

Die periphere Stammzellspende - der häufigste Weg

Die neuere Methode der Entnahme ist die periphere Stammzellspende, kurz PBSC. Mit einer Häufigkeit von 90 % ist sie die deutlich häufigere Entnahmeart von Stammzellen. Vier Tage vor der eigentlichen Spende spritzt sich die:r Spender:in einen körpereigenen Stoff (G-CSF) in die Bauchfalte, der wie ein Hormon wirkt. Was zunächst etwas gruselig klingt, ist eigentlich recht harmlos. Wenn du Angst vor Spritzen hast, unterstützen wir dich gern: Nach Wunsch organisieren wir dir auch eine Pflegekraft, die die Spritzen setzt. Das Medikament dient dazu, dass sich die Stammzellen ausreichend vermehren und in die Blutbahn ausschwemmen. Dieser Vorgang heißt Mobilisierung. Als Nebenwirkungen können grippeähnliche Symptome und Müdigkeit auftreten, weil es den Körper anstrengt, mehr Stammzellen zu produzieren. Diese verschwinden in der Regel während oder nach der Spende. Langfristige Folgen sind nicht bekannt.

"Nach der Spende fühlte ich mich befreit und umso glücklicher, dass alles ohne Komplikationen geklappt hat", so beschreibt Samuel, ein junger Spender, seine Gefühle nach der PBSC. Er spürte durch die Medikamente zur Mobilisierung nur kurzzeitige Nebenwirkungen. Samuel sagt dazu: "Auch wenn ich durch die Medikamente Kopfschmerzen und die ganzen Grippesymptome hatte, ich wusste, diese Schmerzen, die ich habe, sind nichts im Vergleich dazu, dass ich der Person vielleicht weitere Lebensjahre schenken kann." Denn schon in wenigen Wochen hat der eigene Körper die Stammzellen nachgebildet. Natürlich wird das alles ärztlich vorher und nachher überprüft.

Die eigentliche Spende erfolgt über eine Apherese, also eine Filterung des Blutes. Dafür werden Zugänge in beide Armvenen gelegt. Das Blut fließt auf der einen Seite heraus, die Stammzellen werden gefiltert und am anderen Arm fließt es wieder zurück: Ein ständiger Kreislauf, bei dem nur die Stammzellen entnommen werden. Viele Spender:innen erinnert es an eine Blutplasmaspende. Die etwas längere Zeit von 3 bis 5 Stunden kann dabei entspannt mit Videos und Gesprächen überbrückt werden. Viele Spender:innen schauen beispielsweise Serien auf Netflix, unterhalten sich mit Freunden oder scrollen entspannt durch ihren Feed auf Instagram. Danach kann die:r Spender:in das Krankenhaus in der Regel am selben Tag wieder verlassen.

"Das Blut fließt von der einen Seite raus, die Stammzellen werden gefiltert und an dem anderen Arm fließen sie wieder rein: Ein ständiger Kreislauf, wo nur die Stammzellen gewonnen werden."
Samuel sitzt auf einem Stuhl und spendet gerade peripher Stammzellen – ruhig und mit einem guten Gefühl.

Die Knochenmarkspende - was ist der Unterschied?

Deutlich seltener ist die Knochenmarkspende. Sie liegt bei etwa 10 %. Für diese Art ist keine Einnahme eines Medikaments wie bei der PBSC nötig. Am Tag der Spende findet die Entnahme in Form einer kleinen Operation statt, die in der Regel eine Stunde dauert. Obwohl die Spende selbst also deutlich kürzer ist, erholt sich der Spender danach einige Tage. Davon verbringt er wenige Tage stationär im Krankenhaus.

Die Entnahme selbst erfolgt auf ganz anderem Weg: Eine Punktionsnadel wird in den Beckenkamm eingeführt und ungefähr ein Liter Blut-Knochenmark-Gemisch wird entnommen. Darin sind nur ungefähr 5 % des körpereigenen Knochenmarks enthalten. Es bildet sich in ein paar Wochen wieder vollständig nach. Neben dem allgemeinen Risiko, das bei jeder Vollnarkose besteht, kann an der Einstichstelle für einige Tage danach ein prellungsähnlicher Schmerz entstehen. Wie auch bei der PBSC gibt es aber keine langfristigen Folgen.

Aber warum nimmt man nicht immer die PBSC, die ja etwas einfacher geht? Die Antwort ist, dass die Stammzellen, die direkt aus dem Knochenmark entnommen werden, auch eine höhere Qualität haben. Das ist besonders wichtig, wenn die:der Kämpfer:in beispielsweise ein Kind ist.

Bei Franziska war das der Fall. Sie spendete ihr Knochenmark an einen kleinen Jungen, was sie sehr berührte. Dabei hatte sie sogar keine Nebenwirkungen. "Ich fühl mich echt gut. Ich hab die Spende super vertragen, es gab keine Probleme hinterher und ich hab momentan keine Schmerzen."

Franziska posiert nach ihrer Knochenmarkspende im Krankenhaus – glücklich, stolz und mit einem Lächeln im Gesicht.

Selten, aber oft ein Gamechanger: eine DLI Spende

Neben den zwei Möglichkeiten gibt es sogar noch eine dritte Art der Spende. Die Lymphozytenspende, auch DLI-Spende wird dann eingesetzt, wenn das Immunsystem des:r Kämpfers:in einen kleinen "Boost" braucht und so die Wiederherstellung beschleunigt wird. Technisch wird die Spende dabei wie die PBSC durchgeführt, wobei die:r Spender:in allerdings kein Medikament nimmt. Denn hier werden gesunde weiße Blutkörperchen gebraucht, die schon direkt aus dem Blut gefiltert werden können. Dass allerdings überhaupt eine solche Art der Spende benötigt wird, ist äußerst selten. Die Wahrscheinlichkeit für eine DLI-Spende lag bei uns im Jahr 2025 bei 13 %. Gleichzeitig ist sie auch die Spendeart mit den vermutlich geringsten Nebenwirkungen

Liska ist ein Beispiel für eine DLI Spenderin. "Mir war sofort klar, dass ich auch ein 2. Mal helfen werde", sagt sie über ihre Entscheidung. Zuerst hatte sie etwas Sorge, da es ja scheinbar ihrem Empfänger schlechter ging. Umso größer war ihre Erleichterung, als sie dann erfuhr, dass es nach dieser zusätzlichen Boosterspende wieder besser ging. "Beim Vorlesen kamen mir sofort die Tränen in die Augen und ich musste mich erst einmal hinsetzen, um die Worte zu verarbeiten."

Liska macht gerade eine DLI, eine „Booster-Spende“ für ihren genetischen Zwilling und schenkt damit noch einmal neue Kraft und ganz viel Hoffnung.

Drei Arten, ein Ziel

Insgesamt hat also jede Spendeart ihren eigenen Ablauf und ihre eigene Berechtigung. Am Ende hilft jede Spende auf ihre Weise einer Person, frei von Blutkrebs zu werden und weiterzuleben. Es besteht auch die Möglichkeit, sich nur für eine Methode bereit zu erklären, wenn eine der Spendearten für die:den Spender:in nicht infrage kommt. Bei Fragen zu den drei Arten der Spende kannst du uns gern schreiben!

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