ZEIT FÜR EMOTIONEN

Eine unverhoffte Begegnung, die unter die Haut geht: Michael und Tobias

Zwei Menschen, zwei Geschichten – und die Stammzellspende, die sie verbindet.
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15.08.2024

Manchmal führt uns das Leben auf unerwartete Wege, die uns mit Menschen zusammenbringen, die wir sonst vielleicht nie kennengelernt hätten. So war es auch bei Michael und Tobias, die sich im VKS-Büro begegneten. Michael, der durch eine Stammzellspende gerettet wurde und Tobias, der seine Stammzellen gespendet hat, um einem anderen Menschen eine zweite Chance zu geben. Nun teilen sie ihre Erfahrungen und erzählen, was diese besondere Begegnung für sie bedeutet hat.

Michael hat diesen Tag so erlebt.

Was für ein schöner Zufall!

"Kennen Sie das? Sie treffen auf einen fremden Menschen und dieser Mensch ist Ihnen von der ersten Sekunde an sympathisch. So war das bei mir, als ich kürzlich die VKS-Geschäftsstelle besuchte.

Kurz zur Vorgeschichte: Ich bin Michael, 67, aus dem Schwarzwald und habe im März 2019 durch die Vermittlung des VKS Stammzellen von Melanie, einer jungen Frau aus Dresden, erhalten, mit der ich seit dieser Zeit befreundet bin.

Anlässlich eines Besuchs bei dieser Freundin wollte ich dann doch auch einmal die Leute kennenlernen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass ich noch lebe. Bisher kannte ich ja nur Manda, die das erste Treffen zwischen Melanie und mir begleitet hatte. Außerdem bin ich ja auch seit der Spende Vereinsmitglied! Also, nix wie ab mit dem gemieteten Fahrrad in die Fetscherstraße.

Was soll ich sagen? Ich habe nur Leute getroffen, denen ihr Engagement quasi aus jedem Knopfloch schaut. Ein tolles Team! Kein Wunder, dass der VKS so eine erfolgreiche Arbeit macht.

Aber jetzt zu dem Zufall: Während des Gesprächs mit den Mitarbeiterinnen (der einzige(?) Kollege war zufällig nicht da) kommt ein junger Mann herein, von dem es sich herausstellt, dass er Stammzellspender ist. Wir kommen ins Gespräch und es ist, als ob wir uns schon lange kennen würden. So eine Art von Grundvertrauen, anders kann ich das nicht erklären. Total sympathisch, dieser Typ, der sich als Tobias vorstellt. Und ich bin – ähnlich wie mir das bei Melanie ging - wieder mal begeistert, mit welcher Selbstverständlichkeit und auch Bescheidenheit Tobias darüber spricht, wie er dazu kam, Stammzellspender zu werden. Er ermöglicht mit seiner Spende dem Empfänger die Chance auf ein neues Leben und schildert seine Entscheidung und sein Tun ganz ohne Pathos und so. Als ob etwas anderes für ihn gar nicht in Frage käme. Hochachtung vor dieser Haltung.

Da Tobias seinen genetischen Zwilling noch nicht kennt bzw. kennen darf, kann er nur sagen, dass der Empfänger männlich ist und in Holland wohnt. Ich wünsche ihm aber, dass er eine ähnlich positive Beziehung zu ihm aufbauen kann, wie das in meinem Fall mit Melanie geglückt ist. Es ist eine Bereicherung fürs Leben."

Als ob etwas anderes für ihn gar nicht in Frage käme. Hochachtung vor dieser Haltung.
Stammzellspenderin Melanie trifft ihren genetischen Zwilling Michael zum ersten Mal. Es ist ein magischer Moment. Sie strahlen sich beide voller Freude an.
Michael hat seine Lebensretterin Melanie getroffen

Tobias Gedanken zum Treffen:

"Ich war bereits letztes Jahr in Dresden, um für einen Patienten aus den Niederlanden zu spenden. Nun war ich nach einem Jahr zurück, weil eine zusätzliche Lymphozytenspende notwendig wurde. Nach der Voruntersuchung, die sehr schnell verging, bin ich nochmal ins VKS Büro. Dort ergab sich, dass gerade Michael, ein ehemaliger Empfänger vor Ort war, weil er seine Spenderin, die aus Dresden kommt, besucht hatte.

Wir haben uns also getroffen und hatten direkt einen guten Draht zueinander. Für mich bedeutet die Möglichkeit, meine Stammzellen zu spenden extrem viel. Man kann so schon so wenig ausrichten, wenn man nicht gerade im so wichtigen medizinischen Bereich tätig ist. Da war ich froh, dass ich infrage kam, um meinem Empfänger, der in den Niederlanden lebt, helfen zu können. Daher fand ich es besonders interessant, mich mit Michael auszutauschen und mal zu erfahren, wie sich das auf der anderen Seite anfühlt. Denn ich sage immer, dass das, was ich tue, ja überhaupt nicht schlimm ist oder weh tut. 

Für den kleinen Einsatz kann man jemandem helfen, dem es wirklich nicht gut geht. Und so war das bei Michael. Begeistert hat mich, wie kämpferisch er war, sich seine Routinen bewahrt hat, auch in der schwierigen Zeit um die Spende herum und wie fit und gesund er mir nun gegenüber saß. Ich kenne meinen Empfänger (noch) nicht, weiß aber ein paar Sachen über ihn aus einem Brief, den er mir geschrieben hat. Und die Beschreibung passt genau auf Micha, weil er genauso sportlich ist und ich ihn als einen Kämpfer wahrnehme. Von daher denke ich jetzt, wenn ich über meinen Empfänger nachdenke, auch immer an Michael. Ich wünsche beiden, dass sie gesund und fit bleiben/werden und noch viele tausend Kilometer auf ihren Rädern zurücklegen werden."

Stammzellspender Tobias während seiner Spende

Michael und Tobias zeigen uns, dass es im Leben manchmal die zufälligen Begegnungen sind, die uns am meisten berühren. Ihre Geschichten erinnern uns daran, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein – nicht nur als Stammzellspender:in oder Kämpfer:in, sondern als Menschen, die einander helfen, wenn es am meisten zählt.

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