Zeit für Lebensretter:innen

Meine Stammzellspendegeschichte

Ein Einblick in den Ablauf einer Stammzellspende: Vom ersten Anruf bis zur Spende.
Stammzellspenderin Anna-Lena bei ihrer peripheren Stammzellspende in Dresden. Sie ist überglücklich, für ihren genetischen Zwilling spenden zu können.
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07.02.2022

Wie ist es, wenn der Anruf kommt, dass mein genetischer Zwilling nun dringend meine Hilfe braucht? Diese Frage beantwortet dir Anna-Lena (19 Jahre) nach ihrer Spende. Lies dich durch ihren Lebensretter-Moment.

Der Erste Anruf

"Alles begann mit einem Aufruf zur Typisierungsaktion im Juli 2021 für ein kleines Mädchen. Ohne lange darüber nachzudenken lies ich mich typisieren und fuhr wieder nach Hause. Ungefähr einen Monat später habe ich im Internet gelesen, dass ein passender Spender für die Kleine gefunden wurde. Ich habe mich sehr für sie und ihre Familie gefreut.

Fast 2 Monate nach meiner Typisierung war ich gerade auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier und bekam einen Anruf von einer mir unbekannten Nummer. Als ich ran ging, konnte ich es kaum glauben. Es war der VKS. Die nette Frau am Telefon teilte mir mit, dass ich wahrscheinlich eine passende Spenderin sein würde. Ich dachte nur „Wie kann das sein? Nach einer so kurzen Zeit.“ 

"Für mich war klar, ich werde versuchen, diesem Menschen zu helfen." 

Sie fragte mich, ob ich bereit wäre zu spenden, wenn alles passt. Meine Antwort war, ohne zu zögern: „Ja, na klar.“ Sie klärte mich dann über das weitere Vorgehen auf. Der nächste Schritt war eine Blutentnahme. Eine Kollegin hat mir das Blut abgenommen, so dass ich es dem Kurierdienst schnellstmöglich übergeben konnte.

Circa drei Wochen später hatte ich eine E-Mail in meinem Postfach, in der stand, dass laut den Blutwerten nichts gegen die Spende sprechen würde. Daraufhin folgte ein Telefonat mit meiner Ansprechpartnerin aus der Donor Care des VKS. In diesem Telefonat erklärte sie mir die beiden möglichen Wege der Stammzellspende. Meine Spende sollte per Blutentnahme erfolgen. Sie fragte mich dann, ob ich dafür bereit wäre. Auch hier war meine Antwort ein klares „Ja“. Sie teilte mir mit, dass sie es so vormerkt und sie sich bei mir meldet, sobald sie den Auftrag von der Klinik des Patienten bekommt, alles in die Wege zu leiten. Dies sollte ungefähr 4 bis 6 Wochen vor der Spende sein.

Meine Voruntersuchungen

Dann war es so weit. Es kam der Anruf. In diesem Telefonat vereinbarte ich mit meiner Ansprechpartnerin einen Termin für die Voruntersuchung zur Stammzellspende in Dresden.

Im November 2021 fuhr ich gemeinsam mit meinem Freund und einer Freundin nach Dresden zu dieser Voruntersuchung. Hier erwartete mich dann eine erneute Blutentnahme, ein EKG, ein Ultraschall, ein Film über die Spende sowie ein ausführliches Aufklärungsgespräch durch eine der Ärztinnen und natürlich auch eine kleine Stärkung.

In diesem Aufklärungsgespräch wurde mir noch einmal das genaue Vorgehen während, vor und nach der Spende erklärt. Vor der Spende sollte ich mir 5 Tage lang ein Präparat spritzen, das meine Stammzellen mobilisiert und natürlich, so wie jedes Medikament, gewisse Nebenwirkungen mit sich bringt [Anmerkung des VKS: Gemeint ist ein Medikament mit einem Wachstumsfaktor. Die Stammzellen werden dadurch in die Blutbahn geschwemmt und können über die Armvene entnommen werden]. Das war das erste Mal, dass ich kurz dachte „Bist du dir sicher, dass du das machen willst?“ - es war nur ein kurzer Moment, aber dann dachte ich „Ja, du machst das. Das ist gar nichts gegen das, was der Mensch durchmacht, der deine Stammzellen braucht.“ An diesem Tag habe ich dann also alle Einwilligungsbögen unterschrieben und fuhr wieder nach Hause. Ein paar Tage später erreichte mich Post. Es waren die Befunde meiner Voruntersuchung und die Mitteilung, dass ich für die Spende freigegeben bin.

"Ich habe mich wirklich riesig gefreut, dass ich spenden kann." 

Die Vorbereitungen

Ein paar Tage, bevor ich die erste Spritze bekommen musste, bekam ich nochmal einen Anruf vom VKS. Ich wurde gefragt, ob ich mir die Spritzen selbst setzen möchte oder ob sie einen Pflegedienst organisieren sollen, der mir jeden Morgen und jeden Abend die Spritzen setzt. Ich arbeite selbst im medizinischen Bereich als auszubildende Hebamme und entschied mich dafür, mir die Spritzen selbst zu setzen.

Anfang Dezember 2021 setzte ich mir dann also morgens die erste Spritze. Gegen Mittag hatte ich dann schon leichte Kopfschmerzen als Nebenwirkung. Im Laufe des Tages kamen dann noch leichte Rückenschmerzen hinzu. Abends folgte die zweite Spritze. In der Nacht konnte ich gut schlafen.

Am Tag danach folgten dann Nummer drei und vier. Auch an dem Tag hatte ich sehr mit Kopf- und Rückenschmerzen zu tun. Ich hatte bei der Voruntersuchung Ibuprofen und Paracetamol mitbekommen, aber ich habe nichts von beiden genommen. Die Schmerzen habe ich lieber mit Wärme und Tapes gelindert.

Am Tag darauf folgten Spritzen Nummer fünf und sechs. Ich hatte an dem Tag nur noch leichte Kopfschmerzen.

Bei der siebten und achten Spritze hatte ich keine Nebenwirkungen mehr.

Der Tag der Spende

Dann war er da, der Tag der Spende. Früh am Morgen setzte ich mir die neunte und somit letzte Spritze (die Anzahl der Spritzen hängt vom Körpergewicht des Spenders ab). Da mich keiner nach Dresden fahren konnte und ich nicht selbst fahren durfte, organisierte mir der VKS ein Taxi nach Dresden und auch wieder zurück nach Chemnitz. 8:15 Uhr angekommen im Entnahmezentrum in Dresden durfte ich erst nochmal zur Toilette gehen und dann wurde mir mein Platz für die nächsten paar Stunden gezeigt. Ich nahm Platz und es ging auch direkt los. Ich bekam noch eine Flasche Wasser und dann kam auch schon die Ärztin und legte mir an meiner linken Hand eine Flexüle und an meinem rechten Arm die Nadel an, durch die mein Blut raus fließen sollte. Aus dieser wurden mir auch erst noch ein paar Röhrchen Blut abgenommen, um vor allem auch meinen Stammzellwert zu bestimmen, der dann ein ungefährer Richtwert war, wie lange meine Spende ungefähr dauern würde. Während der Spende hatte ich einen kleinen Ball in der Hand, den ich währenddessen immer, wie bei der Blutspende, geknetet habe und nebenbei habe ich einen Film auf meinem Tablet angeschaut. Mein Blutdruck wurde die ganze Zeit überwacht. Die Schwester und die Ärztin, die für mich zuständig waren, waren sehr nett und kümmerten sich immer sehr gut.

Meine Spende dauerte insgesamt 160 Minuten, mein Blutvolumen lief  drei mal durch mich durch und ich habe 388 ml Stammzellen und 20 ml Blutplasma gespendet. Mir wurden danach die Nadeln gezogen und ich durfte ganz langsam aufstehen und etwas essen. In der Zeit habe ich schon mein Taxi gerufen, das mich dann auch nach Hause gefahren hat. Gegen 13 Uhr bin ich wieder zu Hause angekommen. Ich habe dann viel getrunken und mich ausgeruht, da mein Kreislauf noch nicht wieder ganz in Schwung war, aber auch das wurde nach ein paar Stunden wieder besser [Anmerkung des VKS: Normalerweise wären wir gemeinsam essen gegangen, durch Corona und den achtsamen Umgang damit konnten wir das Essen im Dezember leider nicht umsetzen].

Es kam noch ein Anruf von meiner VKS-Ansprechpartnerin. Sie wollte wissen, wie es mir geht und hat gefragt, ob ich erfahren möchte, wohin ich ungefähr gespendet habe. Ich war natürlich neugierig. Meine Stammzellspende ging an einen Mann, aus Südeuropa, der ca. 40 Jahre älter ist als ich. Also, so um die 60 Jahre. 

Ich hoffe, dass ich ihm auf seinem Weg etwas helfen konnte und ihm ein schönes Vorweihnachtsgeschenk bereiten konnte.

Für mich steht jedenfalls fest: Ich würde es wieder tun."

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