Meine Stammzellspende

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Andreas Klötzer - von der Typisierung bis zur Stammzellspende

"Ich weiß welche großen Ängste und Sorgen die Diagnose Krebs für Betroffene und deren Angehörige mit sich bringt. Ich freue mich sehr mit meiner Spende ein Leben zu retten, Hoffnungsgeber zu sein und damit eine ganze Familie wieder glücklich zu machen."

Wann haben Sie sich dazu entschlossen, sich in die weltweite Spenderdatei aufnehmen zu lassen und wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e. V. in Berührung gekommen?

Der Entschluss dazu kam relativ spontan vor ein paar Jahren. Meine Freundin und ich haben 2018 vom Spenderaufruf für Louis gehört und uns war sofort klar: „Wir wollen helfen!“. Im Helios Klinikum Aue haben wir uns dann typisieren lassen. Ein paar Wochen später haben wir dann einen Brief vom VKS erhalten, indem unser Spenderausweis war. Danach haben wir erstmal nichts weiter gehört, bis der Anruf im Dezember 2019 von einer Mitarbeiterin des VKS kam.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie den Anruf vom VKS bekommen haben, mit dem Ihnen mitgeteilt wurde, dass Sie einem Leukämiepatienten das Leben retten können? Wo waren Sie gerade?

Die Nachricht erreichte mich kurz vor Weihnachten, als ich Zuhause war. Ich war natürlich mit einmal super aufgeregt, aber nicht so sehr wie meine Freundin. Das es so schnell ging hätte ich nicht gedacht. Aber für mich war immer noch ganz klar, dass ich spende! 

Wie reagierten Ihre Freunde und Verwandten auf die Nachricht, dass Sie spenden dürfen?

Mein gesamtes Umfeld hat mich vollkommen unterstützt und waren ziemlich stolz auf meinen Schritt. Sowohl Familie und Freunde als auch meine Arbeitskollegen und mein Chef. Es war ja klar, dass ich ein paar Tage wegen der Knochenmarksspende fehlen werden, aber meine Arbeit wurde bereitwillig übernommen. Damit war ich natürlich auch etwas entspannter.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Ich wollte natürlich schnellstmöglich die benötigen Blutproben beim Arzt nehmen lassen und zurück ins Labor schicken. So kurz vor Weihnachten war das etwas problematisch. Aber die Freundin einer Arbeitskollegin ist Krankenschwester und konnte mir das Blutnehmen abnehmen. Mir war es wichtig, so schnell es geht alles organisiert zu haben, damit ich dem Patienten umgehen helfen kann. Im Januar erhielt ich dann die Rückmeldung, dass ich für den Patienten in Frage komme uns bis Mitte April reserviert für ihn bin. Die Monate vergingen und es kam keine neue Info. Es war ca. Mai, als ich dann den Anruf bekam, dass die Reservierung aufgehoben wurde. Da war ich erstmal ziemlich enttäuscht, da ich auch nicht erfahren konnte, warum.

Am 29.05.2020 genau am Geburtstag meiner Mutter, erhielt ich dann den Anruf, dass es doch zur Spende kommen soll und die Termine für die Voruntersuchung sowie die eigentliche Spende schon stehen. Das war ein sehr emotionaler Moment für meine ganze Familie. Meine Mutter kämpft aktuell das dritte Mal gegen Krebs und nun konnte ich jemanden die Chance auf ein neues Leben schenken.

Wie haben Sie die Tage vor Ihrer Stammzellspende erlebt?

Ich hatte zu keiner Sekunde Zweifel, ob ich es machen soll. Aber etwas mulmig und angespannt war ich kurz vor der Spende schon. Man ist ja nicht alle Tage im Krankenhaus und eine Vollnarkose hatte ich das letzte Mal als Kind. Aber es lief alles super, alle waren sehr nett und freundlich.

Und was denken Sie jetzt danach – würden Sie es wieder tun?

Ich würde es sofort wieder machen! Das Gefühl nach der Spende ist unbeschreiblich. Ich kann mich daran erinnern, wie nach dem Aufwachen eine Krankenhaus-Schwester zu mir sagte: „Sie werden einen Menschen jetzt sehr glücklich machen!“ Diese Worte werde ich nie vergessen, die haben sich bei mir eingebrannt.

Es ist ja so, dass ich nicht nur mit meiner Spende einen Menschen eine Chance auf ein neues Leben schenke, sondern eine ganze Familie sowie Freunde damit glücklich mache.

Die ganze Sache hat mich total aus dem Alltag geholt. Wir regen uns viel zu oft über Kleinigkeiten auf und es gibt so viele Unwichtige Dinge im Leben, denen wir viel zu viel Aufmerksamkeit widmen. Ich habe einen anderen Blick für vieles erhalten.

Alles in allem kann man sagen, dass meine „Aufwendungen“ nur ein Augenschlag waren, aber für jemand anderen das ganze Leben bedeuten.

Haben Sie vor, Ihren „genetischen Zwilling“ nach Ablauf der gesetzlich festgelegten Wartezeit von zwei Jahren kennenzulernen? Haben Sie gehört für wen Ihre Spende ist?

Definitiv möchte ich gern meinen „Zwilling“ kennenlernen, wenn er es auch möchte. Ansonsten würde ich die Entscheidung natürlich akzeptieren. Ich habe gehört, dass der Patient wohl meine Blutgruppe annehmen wird. Das ist eine Verbindung, die kann man nicht beschreiben.

Mir wurde gesagt, dass die Spende für eine 24-jährige Frau ist, mehr weiß ich aber nicht.

Zum Abschluss – was geben Sie anderen mit Ihrer Erfahrung auf den Weg?

Ich weiß, welche großen Ängste und Sorgen die Diagnose Krebs für Betroffene und deren Angehörige mit sich bringt. Ich freue mich mit meiner Spende ein Leben zu retten, Hoffnungsgeber zu sein und damit eine ganze Familie wieder glücklich zu machen.

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