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Unser Vorstandsvorsitzender im Interview bei yeswecan!cer

Im Newsletter No. 5 von yeswecan!cer hat unser Vorstandsvorsitzender Prof. Drs. h.c. Dietger Niederwieser ein interessantes Interview zum aktuell wichtigsten Thema Corona gegeben und was dies für Krebspatient*innen bedeutet. Können Erkrankte sich impfen lassen und was genau muss beachtet werden?

Ihr kennt yeswecan!cer noch nicht? Das ist Deutschlands größte digitale Selbsthilfegruppe für Krebspatient*innen und deren Angehörige. Vernetzt euch, gebt euch Kraft und macht Mut, denn Krebs darf kein Tabuthema sein!

 

Hier gibt es das Interview zum Nachlesen:

 

Prof. Dr. Dr. Dietger Niederwieser ist einer der international renommiertesten Krebsforscher. Er ist derzeit Professor in Kaunas/Litauen, in Aichi/Japan und in Asuncion/Paraguay. Er hat mehr als 500 wissenschaftliche Publikationen in internationalen Topjournals veröffentlicht und ist einer der am meisten zitierten Autoren im Bereich der Krebsforschung in Europa. Zudem ist er Vorsitzender des Advisory Board, des Beirates von yeswecan!cer. Er war 20 Jahre lang Chefarzt der „Hämatologie und Internistischen Onkologie“ in der José-Carreras-Klinik des Universitäts-Klinikums (UKL) Leipzig. Prof. Niederwieser ist ehemaliger Präsident der „Europäischen Gesellschaft“ (EBMT) sowie des weltweiten „Netzwerks für Blut- und Knochenmarkstransplantationen“ (WBMT); er war über viele Jahre Präsident der „Ostdeutschen Studiengruppe für Hämatologie und Onkologie e. V.“ (OSHO) sowie Mitglied des Ausschusses für neuartige Therapien (CAT) in der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Prof. Niederwieser hat die Lateinamerikanische und die Afrikanische Stammzelltransplantationsgesellschaft (LABMT und AFBMT) gegründet.

 

yeswecan!cer: Guten Tag, Prof. Niederwieser. Sie sind Botschafter von yeswecan!cer. Wir befinden uns mitten in einer Pandemie. Sie haben jahrzehntelang in intensivem Kontakt mit Forscher*innen auf der ganzen Welt zusammengearbeitet – und Sie beobachten vor diesem Hintergrund, wie staatliche Beschränkungen zurzeit in Deutschland debattiert werden.
Deshalb die erste Frage: Warum ist es in der Corona-Pandemie so wichtig, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen?
Prof. Niederwieser: 
Ihnen auch einen guten Tag. Also die Mund-Nase-Bedeckung sorgt dafür, dass selbst kleinste Viruspartikel nicht über die Atemwege in den Körper eindringen können. Das ist nicht nur allgemein bekannt, sondern auch durch unzählige Tests wissenschaftlich erwiesen. Patient*innen nach einer Stammzelltransplantation tragen diese Bedeckung beispielsweis über 6 Monate, damit sie bei einem nicht funktionierenden Immunsystem keine Infektionen erleiden. Das hat sich weltweit so durchgesetzt und ich selbst kann das nach meiner Erfahrung mit über 5.000 Patient*innen bestätigen. Außerdem tragen weltweit mehr als 80.000 Patient*innen pro Jahr nach einer Transplantation für 6 Monate eine Gesichtsmaske, wodurch das Infektionsrisiko nachweislich gesenkt werden konnte.
Ich verstehe überhaupt gar nicht, was Maskengegner mit ihrem Protest motiviert. Die Behauptung, es gehe um Freiheit, kann ich nicht nachvollziehen. Denn die Freiheit jedes Einzelnen hört doch dort auf, wo ich andere gefährde. Ich finde es ja gut, dass in unserer Gesellschaft jeder machen kann, was er oder sie möchte. Aber individuelle Freiheit endet genau dann, wenn ich andere Menschen anstecke und krank mache. Auch Krebspatient*innen schützen sich bei vielen Therapieformen während der ersten 6 Monate einer Behandlung. Die Maske ist zur Routine geworden und stellt auch keine wesentliche Belastung und Einschränkung dar. Ich selbst habe auch schon vor der Pandemie eine Maske getragen, wenn ich verschnupft war und mich mit Patient*innen getroffen habe. Außerdem gibt es auch Auswertungen, dass Länder mit Maskenpflicht besser die Pandemie überstehen als Länder ohne Maskenpflicht.


yeswecan!cer: Warum ist es ratsam, sich impfen zu lassen?
Prof. Niederwieser: 
Weil das die einzige Möglichkeit ist, nicht infiziert, also nicht krank zu werden. Durch die so genannte Impfantwort wird das Immunsystem des Körpers gegen das Virus geschult. Durch diese dann sofort zur Verfügung stehende Immunreaktion werden wir bei einer Infektion geschützt.
Wir sind in einer glücklichen Lage: Dass so schnell ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stand, kommt einer kleinen Revolution gleich. Zwar ist die Methode nicht neu, die bei der Entwicklung der Impfstoffe angewendet wurde – man arbeitet bereits seit Jahrzehnten an diesem Konzept. Aber sie wurde noch nie in dieser Größenordnung praktiziert. Die Methode hat den Vorteil, dass Impfstoffe schneller als mit den bisherigen Methoden bereitgestellt und auch in großen Mengen produziert werden können. Krebspatient*innen werden in Zukunft nicht nur vom Impfstoff, sondern auch von dieser Methode profitieren: Weil die Oberflächen von Krebszellen dem Virus nicht unähnlich sind. Das ist vielleicht das – wenn man so will – Positive an Corona: Erste Studien machen große Hoffnung darauf, dass wir dank dieser Revolution auch in der Krebsforschung weitere Fortschritte machen werden.


yeswecan!cer: Was müssen Krebspatient*innen beachten, bevor sie sich impfen lassen?
Prof. Niederwieser: 
Impfungen sollen nur bei intaktem Immunsystem vorgenommen werden – sonst kann keine Impfantwort erfolgen. Was bedeutet intakt? Es muss eine ausreichend große Anzahl weißer Blutkörperchen vorhanden sein. Leider lässt sich nicht allgemein gültig sagen, welche Krebsart in welcher Phase der Therapie eine Impfung zulässt. In jedem Fall gilt es, in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt genau zu prüfen, ob genügend weiße Blutkörperchen vorhanden sind. Ob und wann im diagnostisch-therapeutischen Verlauf einer Krebsbehandlung, in einer stabilen Phase der Behandlung, eine Impfung gegen Covid-19 möglich ist, kann nur ganz individuell mit Blick auf den konkreten Einzelfall entschieden werden. Besondere Aufmerksamkeit ist eigentlich nur bei Allergikern geboten. Doch selbst bei Allergikern kann unter sehr strengen ärztlichen Bedingungen eine Impfung vorgenommen werden. In 99,9 % aller Impfungen ist das Verfahren sicher. Bis auf die allergischen Nebenwirkungen sind keine schwerwiegenden Komplikationen in einer sehr großen Zahl beobachtet worden.
Viele exzellente Wissenschaftler*innen haben bei der Entwicklung der Impfstoffe in bester, weltweit vernetzter Kooperation hervorragende Arbeit geleitet. Bei diesen Forscher*innen müssen wir uns bedanken. Wie bei allen Ärztinnen und Ärzten und dem Pflegepersonal in dieser Pandemie. Ich bin sehr zuversichtlich, wenn ich in die Zukunft schaue.
yeswecan!cer: Danke vielmals, lieber Prof. Niederwieser, für Ihre Zeit.
#dubistnichtallein

 

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