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"Es ist, als kannten wir uns schon immer"

Wie Sophia mit einer Stammzellspende Rebecca ein neues Leben schenkte

Zwei Frauen, die eigentlich Fremde waren und doch Schwestern sein könnten, sehen sich das erste Mal an einem Herbstnachmittag in Hannover. "Das ist doch Sophia.", sagt Rebecca, als wir in den Herrenhäuser Gärten mit ihr an die Stelle kommen, an der ihre Stammzellspenderin Sophia bereits wartet. Auf ein "Hallo" folgt eine lange Umarmung... ein magischer Moment, den wohl keiner der beiden je vergessen wird. 

Es war 2018, Rebecca studierte an der Universität Kiel und die Welt stand ihr offen. Aus dem Nichts erhielt sie mit Anfang 20 die Diagnose: Leukämie. Schnell war klar, so sehr ihre Familie und Freunde ihr helfen möchten, sie muss ihren noch unbekannten genetischen Zwilling finden, um zu überleben - sie braucht eine Stammzellspende. Dann das Aufatmen, es wurde jemand gefunden, doch während der langen Behandlung und Chemotherapie auf dem Weg zur Stammzelltransplantation erhielt sie die niederschmetternde Nachricht: Der Spender hat sich anders entschieden, er möchte nicht mehr für die Spende zur Verfügung stehen. Es ist kaum vorzustellen, was das in jemanden auslöst, der so sehr auf die neuen gesunden Zellen angewiesen ist und dessen Immunsystem in der Vorbereitung auf Null gefahren wird. Doch Rebecca gab nicht auf, niemals während all der Zeit und ihr Kampf wurde belohnt. 

Sophia ist ebenfalls Anfang 20 und arbeitet als Krankenschwester auf einer Intensivstation in Leipzig. Zwei Wochen vor ihrer Hochzeit erhält sie die Anfrage von uns, dem Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden. "Sophia, du wirst gebraucht." Sie zögerte nicht, auch wenn ein so wichtiges Ereignis in ihrem eigenen Leben bevorstand. Sie möchte helfen! Alles geht ganz schnell, die Voruntersuchungen sind vorbei und schon werden die Stammzellen innerhalb weniger Stunden aus Sophias Blut gefiltert und direkt zu Rebecca gebracht. Sophia weiß an diesem Tag noch nicht, dass sie Rebecca zwei Jahre später in die Arme schließen wird.

In den folgenden 24 Monaten schreiben sich beide anonym Briefe, mehr erlaubt das Gesetz nicht. Spender*in und Patient*in sollen Zeit haben, den Entschluss eines gemeinsamen Treffens gut zu überdenken. Dann kam der Tag, an dem beide ihre Kontaktdaten erfahren durften: Da war kein Zögern, beide willigten sofort ein und schrieben sich ab jetzt Nachrichten. Sie wussten schnell, dass sie sich vor allem gern persönlich treffen würden.

Die Herrenhäuser Gärten in Rebeccas Heimatstadt Hannover sind ein besonderer Ort für die junge Frau. Erste Spaziergänge nach ihrer Transplantation fanden hier statt – abschalten, einfach laufen, den Kopf ordnen. Nun ist es auch der Ort, an dem sich die beiden „genetischen Zwillinge“ das erste Mal umarmten. Ab diesem Moment war eine Verbundenheit zu spüren. Die beiden lachten und erzählten sich alles Mögliche aus ihrem Leben. „Es ist, als würden wir uns schon immer kennen.“, sagten die beiden. Eine Weile durften wir dabei sein, wenn es ernst wurde und Rebecca erzählte, was ihre Erkrankung und deren Behandlung für sie bedeutet hatte. Sophia hat dann die Gabe nach einem kurzen Verschnaufen, selbst diese Momente in ein gemeinsames Lachen umzukehren. Zum Beispiel, wenn sie mit einem Augenzwinkern berichtet, wie viele Tabletten Krankenschwestern dafür so pro Schicht für Patient*innen sortieren müssen. Es war genau diese Verbindung – herzlich, aber nie bemitleidend und dankbar aber auf Augenhöhe – die diese Begegnung so besonders sein ließ. Am Ende wurde bereits das nächste Treffen geplant. In Leisnig soll es sein, wo Sophia mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter wohnt. Dabei wurde bereits ein Ausflug nach Leipzig geplant: „Wir müssen zu Hans im Glück.“, so Sophia. Eben gemeinsam das ganz normale Leben leben. Als Freundinnen und ein bisschen auch als „neue Schwestern“.

Vielen Dank, dass wir dabei sein durften!

         

 

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